Viele Arbeitnehmer zögern, einen Anwalt einzuschalten, weil sie die Kosten scheuen. Wir erklären transparent, wie sich Anwaltskosten im Arbeitsrecht berechnen, was die erste Instanz besonders macht — und wie Sie mit oder ohne Rechtsschutzversicherung absicherbar sind.
Die Vergütung von Rechtsanwälten richtet sich grundsätzlich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Maßgeblich für die Höhe der gesetzlichen Gebühren ist der sogenannte Gegenstandswert (auch Streitwert genannt) — also der wirtschaftliche Wert Ihres Anliegens. Bei einer Kündigungsschutzklage beträgt der Gegenstandswert höchstens ein Vierteljahresverdienst (§ 42 Abs. 2 GKG), in der Regel also drei Bruttomonatsgehälter. Bei einer Zahlungsklage, etwa wegen ausstehendem Lohn, entspricht er der geforderten Summe; ein Zeugnisstreit wird häufig mit einem Bruttomonatsgehalt bewertet.
Aus dem Gegenstandswert ergibt sich anhand der gesetzlichen Gebührentabelle (Anlage 2 zu § 13 RVG) der Betrag einer vollen Gebühr. Je nach Tätigkeit fällt ein Vielfaches oder ein Bruchteil davon an:
Wir nennen Ihnen die voraussichtlichen Kosten bereits in der Ersteinschätzung, bevor Sie sich entscheiden. Statt der gesetzlichen Gebühren kann auch eine Vergütungsvereinbarung getroffen werden, etwa ein Stundenhonorar; sie bedarf der Textform (§ 3a RVG).
Die folgenden Beispiele beruhen auf der seit 1. Juni 2025 geltenden RVG-Gebührentabelle und zeigen die gesetzlichen Gebühren für drei typische Konstellationen. Die tatsächlichen Kosten hängen vom Einzelfall ab, etwa von weiteren Ansprüchen, dem Umfang der Tätigkeit oder einer abweichenden Vergütungsvereinbarung.
Bruttomonatsgehalt 3.000 €, Gegenstandswert 3 × 3.000 € = 9.000 €. Wir verhandeln nach einer Kündigung außergerichtlich mit dem Arbeitgeber, etwa über einen Abwicklungsvertrag. Eine 1,0-Gebühr beträgt bei diesem Wert 592,50 €.
| 1,3 Geschäftsgebühr (Nr. 2300 VV RVG) | 770,25 € |
| Auslagenpauschale (Nr. 7002 VV RVG) | 20,00 € |
| 19 % Umsatzsteuer | 150,15 € |
| Summe Anwaltskosten | 940,40 € |
Kommt es anschließend doch zur Klage, wird die Geschäftsgebühr zur Hälfte (höchstens mit 0,75) auf die gerichtliche Verfahrensgebühr angerechnet. Gerichtskosten fallen außergerichtlich nicht an.
Bruttomonatsgehalt 4.000 €, Gegenstandswert 3 × 4.000 € = 12.000 €. Wir erheben Kündigungsschutzklage, im Gütetermin wird ein Vergleich mit Abfindung geschlossen. Eine 1,0-Gebühr beträgt bei diesem Wert 707,00 €.
| 1,3 Verfahrensgebühr (Nr. 3100 VV RVG) | 919,10 € |
| 1,2 Terminsgebühr (Nr. 3104 VV RVG) | 848,40 € |
| 1,0 Einigungsgebühr (Nr. 1000, 1003 VV RVG) | 707,00 € |
| Auslagenpauschale (Nr. 7002 VV RVG) | 20,00 € |
| 19 % Umsatzsteuer | 473,96 € |
| Summe Anwaltskosten | 2.968,46 € |
Gerichtskosten: keine, denn bei Beendigung durch einen gerichtlichen Vergleich entfällt die Gerichtsgebühr. Die vereinbarte Abfindung erhöht den Gegenstandswert nicht (§ 42 Abs. 2 GKG). Werden im Vergleich zusätzliche Punkte wie Zeugnis oder Freistellung geregelt, kann ein Mehrwert hinzukommen.
Bruttomonatsgehalt 5.500 €, Gegenstandswert 3 × 5.500 € = 16.500 €. Eine Einigung gelingt nicht, das Arbeitsgericht entscheidet nach dem Kammertermin durch Urteil. Eine 1,0-Gebühr beträgt bei diesem Wert 817,00 €.
| 1,3 Verfahrensgebühr (Nr. 3100 VV RVG) | 1.062,10 € |
| 1,2 Terminsgebühr (Nr. 3104 VV RVG) | 980,40 € |
| Auslagenpauschale (Nr. 7002 VV RVG) | 20,00 € |
| 19 % Umsatzsteuer | 391,88 € |
| Summe Anwaltskosten | 2.454,38 € |
Hinzu kommen Gerichtskosten: eine 2,0-Gebühr (Nr. 8210 KV GKG) von 749,00 €, die grundsätzlich die unterliegende Seite trägt. Ihre eigenen Anwaltskosten tragen Sie nach § 12a ArbGG auch dann selbst, wenn Sie gewinnen.
Anders als in vielen anderen Gerichtsverfahren gilt vor dem Arbeitsgericht in der ersten Instanz eine wichtige Ausnahme nach § 12a Arbeitsgerichtsgesetz (ArbGG): Jede Partei trägt ihre eigenen Anwaltskosten selbst — unabhängig davon, wer den Prozess gewinnt. Es findet also keine Kostenerstattung der gegnerischen Anwaltskosten statt, wie es im Zivilprozess sonst üblich ist. Für Sie bedeutet das ein kalkulierbares Risiko: Auch bei einer Niederlage zahlen Sie nicht den Anwalt des Arbeitgebers. Erst in der Berufung vor dem Landesarbeitsgericht gilt wieder der Grundsatz, dass die unterliegende Seite die Kosten trägt.
Auch wenn Sie den Kündigungsschutzprozess gewinnen, trägt jede Seite in der ersten Instanz grundsätzlich die eigenen Anwaltskosten selbst. Das macht eine klare Kosteneinschätzung vorab umso wichtiger — wir besprechen das offen mit Ihnen, bevor Sie sich entscheiden.
Die Gerichtskosten sind im Arbeitsrecht vergleichsweise gering. In der ersten Instanz fällt eine 2,0-Gebühr nach dem Gerichtskostengesetz an (Nr. 8210 KV GKG). Einen Vorschuss verlangt das Arbeitsgericht nicht (§ 11 GKG). Endet das Verfahren durch einen gerichtlichen Vergleich, entfällt die Gerichtsgebühr vollständig; bei einer Klagerücknahme vor streitiger Verhandlung ebenfalls. Kommt es zum Urteil, trägt die Gerichtskosten grundsätzlich die unterliegende Partei, bei teilweisem Obsiegen werden sie verhältnismäßig geteilt.
Verfügen Sie über eine Rechtsschutzversicherung mit arbeitsrechtlichem Baustein, übernimmt diese in der Regel die Anwalts- und Gerichtskosten bis auf eine etwaige Selbstbeteiligung. Wir übernehmen für Sie die Deckungsanfrage bei Ihrer Versicherung und klären den Kostenrahmen, bevor weitere Schritte eingeleitet werden. Beachten Sie die Wartezeit: Viele Verträge sehen eine Frist von drei Monaten ab Vertragsbeginn vor, und der Rechtsschutzfall — meist die Kündigung oder deren Androhung — muss danach eingetreten sein. Ohne Versicherung und bei geringem Einkommen kann Prozesskostenhilfe in Betracht kommen; Anwaltskosten für einen Arbeitsrechtsstreit sind zudem in der Regel als Werbungskosten steuerlich absetzbar.
Die Ersteinschätzung Ihres Falls ist bei uns unverbindlich. Sie schildern uns Ihre Situation, wir prüfen Erfolgsaussichten und Fristen und informieren Sie transparent über die zu erwartenden Kosten — erst danach entscheiden Sie, ob Sie uns beauftragen möchten.
Wir prüfen Ihren Fall, die Erfolgsaussichten und nennen Ihnen eine realistische Kosteneinschätzung.
Sofern vorhanden, klären wir mit Ihrer Versicherung die Kostenübernahme.
Sie erhalten ein klares Kostenangebot auf Basis des RVG, bevor wir tätig werden.
Erst nach Ihrer Zustimmung übernehmen wir die außergerichtliche oder gerichtliche Vertretung.
Das hängt vom Gegenstandswert und von der Art der Tätigkeit ab. Bei einer Kündigung mit 4.000 € Bruttomonatsgehalt liegen die gesetzlichen Anwaltsgebühren für eine Kündigungsschutzklage mit Vergleich bei rund 2.970 € inklusive Umsatzsteuer (Beispielrechnung, unverbindlich). Eine außergerichtliche Vertretung ist meist günstiger. Wir nennen Ihnen die voraussichtlichen Kosten vorab.
Die Abfindung selbst erhöht den Gegenstandswert einer Kündigungsschutzklage nicht (§ 42 Abs. 2 GKG). Maßgeblich bleibt in der Regel das Vierteljahresgehalt. Bei einem Vergleich mit Abfindung fällt zusätzlich eine Einigungsgebühr an. Wird ausschließlich außergerichtlich über eine Abfindung verhandelt, richtet sich der Wert nach dem Einzelfall.
Grundsätzlich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) auf Basis des Gegenstandswerts. Alternativ kann eine Vergütungsvereinbarung in Textform getroffen werden, zum Beispiel ein Stundenhonorar. In gerichtlichen Verfahren dürfen die gesetzlichen Gebühren dabei nicht unterschritten werden.
Der Gegenstandswert (Streitwert) bemisst den wirtschaftlichen Wert Ihres Anliegens und bildet die Berechnungsgrundlage für die gesetzlichen Anwaltsgebühren nach RVG. Bei einer Kündigungsschutzklage sind das in der Regel drei Bruttomonatsgehälter.
Nein. In der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht trägt nach § 12a ArbGG jede Partei ihre eigenen Anwaltskosten selbst — unabhängig vom Ausgang des Verfahrens.
In der ersten Instanz eine 2,0-Gebühr nach dem Gerichtskostengesetz, bei einem Gegenstandswert von 12.000 € zum Beispiel 627 €. Einen Vorschuss gibt es nicht. Endet das Verfahren durch Vergleich, entfällt die Gerichtsgebühr. Bei einem Urteil trägt sie grundsätzlich die unterliegende Seite.
In den meisten Fällen mit arbeitsrechtlichem Baustein ja, gegebenenfalls abzüglich einer Selbstbeteiligung. Achten Sie auf die Wartezeit im Vertrag. Wir stellen die Deckungsanfrage für Sie und klären die Kostenübernahme, bevor wir tätig werden.
Sie schildern uns Ihre Situation, wir prüfen Erfolgsaussichten und Fristen und geben Ihnen eine unverbindliche Einschätzung — Sie gehen dadurch keine Verpflichtung ein.
Unverbindlich und transparent — wir melden uns innerhalb von 24 Stunden mit einer ersten Einschätzung inklusive Kostenrahmen.