Probezeit München · Arbeitsrecht

Kündigung in
der Probezeit erhalten?

In der Probezeit gelten verkürzte Fristen — doch auch hier ist nicht jede Kündigung automatisch wirksam. Hier erfahren Sie, welche Frist gilt, wann eine Kündigung trotz fehlenden Kündigungsschutzes unwirksam sein kann und was Sie jetzt tun sollten.

Kündigungsfrist
2 Wochen

in der vereinbarten Probezeit

Während einer vereinbarten Probezeit von bis zu sechs Monaten kann das Arbeitsverhältnis nach § 622 Abs. 3 BGB mit einer Frist von nur zwei Wochen gekündigt werden — durch beide Seiten.

Kündigungsfrist in der Probezeit: zwei Wochen

Vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Probezeit, gilt nach § 622 Abs. 3 BGB eine verkürzte Kündigungsfrist von zwei Wochen — für beide Seiten. Anders als bei der regulären Kündigungsfrist muss kein fester Termin wie der 15. oder das Monatsende eingehalten werden; die Frist kann an jedem beliebigen Tag enden. Ein Tarifvertrag kann abweichende Fristen vorsehen. Einzelvertraglich kann eine längere Frist vereinbart werden, wobei die Frist für Sie als Arbeitnehmer nicht länger sein darf als die für den Arbeitgeber (§ 622 Abs. 6 BGB).

Die verkürzte Frist gilt höchstens für die ersten sechs Monate. Ist eine längere Probezeit vereinbart, gilt nach Ablauf von sechs Monaten die reguläre gesetzliche Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Maßgeblich ist der Zugang der Kündigung: Geht sie Ihnen am letzten Tag der Probezeit zu, gilt noch die Zwei-Wochen-Frist, auch wenn das Arbeitsverhältnis erst danach endet. Bei einem befristeten Arbeitsvertrag muss die Probezeit außerdem im Verhältnis zur Dauer der Befristung und zur Art der Tätigkeit stehen (§ 15 Abs. 3 TzBfG).

Kein allgemeiner Kündigungsschutz in den ersten sechs Monaten

Der allgemeine Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz greift erst, wenn das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate ohne Unterbrechung bestanden hat (Wartezeit, § 1 Abs. 1 KSchG) und der Betrieb regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt. Die Wartezeit ist von der Probezeit unabhängig, fällt aber meist mit ihr zusammen. In dieser Zeit braucht der Arbeitgeber keinen Kündigungsgrund und muss auch keinen nennen.

Das bedeutet aber nicht, dass jede Kündigung in der Probezeit wirksam ist. Die folgenden Regeln gelten von Anfang an:

Schriftform (§ 623 BGB)

Eine Kündigung muss schriftlich auf Papier erfolgen und eigenhändig von einer kündigungsberechtigten Person unterschrieben sein. Eine Kündigung per E-Mail, SMS, WhatsApp oder nur mündlich ist unwirksam.

Anhörung des Betriebsrats (§ 102 BetrVG)

Besteht im Betrieb ein Betriebsrat, muss er vor jeder Kündigung angehört werden — auch in der Probezeit. Eine Kündigung ohne ordnungsgemäße Anhörung ist unwirksam. In der Wartezeit sind die Anforderungen an die Begründung gegenüber dem Betriebsrat zwar geringer, der Arbeitgeber muss aber seine tatsächlichen Beweggründe mitteilen.

Mutterschutz (§ 17 MuSchG)

Während der Schwangerschaft und bis vier Monate nach der Entbindung ist eine Kündigung grundsätzlich verboten, ebenso bis vier Monate nach einer Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche. Das gilt ab dem ersten Arbeitstag. Wusste der Arbeitgeber nichts von der Schwangerschaft, muss sie ihm innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung mitgeteilt werden; eine unverschuldete Verspätung ist unschädlich, wenn die Mitteilung unverzüglich nachgeholt wird. Eine Kündigung ist nur ausnahmsweise mit vorheriger Zulässigkeitserklärung der zuständigen Behörde möglich. Mehr dazu im Ratgeber Kündigung während der Schwangerschaft.

Elternzeit (§ 18 BEEG)

Ab dem Verlangen der Elternzeit — frühestens acht Wochen vor ihrem Beginn bzw. 14 Wochen bei Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes — und während der Elternzeit besteht ein Kündigungsverbot, auch innerhalb der ersten sechs Monate.

Diskriminierung (AGG)

Eine Kündigung, die an ein Merkmal des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes anknüpft — etwa ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexuelle Identität —, ist auch in der Wartezeit unwirksam. Zusätzlich kann ein Anspruch auf Entschädigung bestehen, der innerhalb von zwei Monaten schriftlich geltend gemacht werden muss (§ 15 Abs. 4 AGG). Mehr dazu unter Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Maßregelungsverbot (§ 612a BGB)

Der Arbeitgeber darf Sie nicht benachteiligen, weil Sie in zulässiger Weise Ihre Rechte ausüben — etwa weil Sie ausstehenden Lohn oder die Bezahlung von Überstunden einfordern oder sich für eine Betriebsratswahl einsetzen. Eine Kündigung, die erkennbar eine Reaktion darauf ist, ist unwirksam. Den Zusammenhang müssen allerdings Sie darlegen, was in der Praxis oft schwierig ist.

Schwerbehinderung (§ 173 Abs. 1 Nr. 1 SGB IX)

In den ersten sechs Monaten braucht der Arbeitgeber für die Kündigung eines schwerbehinderten Menschen keine Zustimmung des Integrationsamts; er muss die Kündigung dort nur anzeigen. Gibt es im Betrieb eine Schwerbehindertenvertretung, muss der Arbeitgeber sie aber vor der Kündigung beteiligen. Eine Kündigung ohne diese Beteiligung ist unwirksam (§ 178 Abs. 2 SGB IX). Den vollen Sonderkündigungsschutz nach sechs Monaten erklären wir unter Kündigungsschutz bei Schwerbehinderung.

Die 3-Wochen-Frist für die Klage gilt auch hier

Wer sich gegen eine Kündigung in der Probezeit wehren will, muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang Klage beim Arbeitsgericht erheben (§ 4 KSchG). Diese Frist gilt auch dann, wenn das Kündigungsschutzgesetz im Übrigen noch nicht anwendbar ist, und erfasst fast alle Unwirksamkeitsgründe — vom fehlenden Betriebsrat bis zur Diskriminierung. Nach Fristablauf gilt die Kündigung als wirksam. Eine Ausnahme ist die fehlende Schriftform: Eine mündliche oder elektronische Kündigung setzt die Frist nicht in Gang. Auch dann sollten Sie aber zügig handeln. Wie die Klage abläuft, erklären wir auf der Seite Kündigungsschutzklage München; allgemeine erste Schritte finden Sie unter Kündigung erhalten – was jetzt?

Folgen der Kündigung: Arbeitslosengeld, Zeugnis, Resturlaub

Meldung bei der Agentur für Arbeit

Weil zwischen Kündigung und Ende des Arbeitsverhältnisses meist weniger als drei Monate liegen, müssen Sie sich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis der Kündigung arbeitssuchend melden (§ 38 Abs. 1 SGB III). Eine verspätete Meldung kann zu einer Sperrzeit von einer Woche führen. Ob Sie Arbeitslosengeld erhalten, hängt von der Anwartschaftszeit ab: In der Regel müssen Sie in den letzten 30 Monaten mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein, frühere Arbeitsverhältnisse zählen mit. Eine Sperrzeit wegen der Kündigung selbst droht bei einer Arbeitgeberkündigung in der Regel nicht.

Arbeitszeugnis

Auch nach kurzer Beschäftigung haben Sie Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis (§ 109 GewO), auf Wunsch als qualifiziertes Zeugnis mit Bewertung von Leistung und Verhalten. Fordern Sie es zeitnah an, gerade für Bewerbungen.

Resturlaub

Den vollen Jahresurlaub erwerben Sie erst nach sechs Monaten (§ 4 BUrlG). Endet das Arbeitsverhältnis vorher, steht Ihnen für jeden vollen Beschäftigungsmonat ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu (§ 5 BUrlG). Kann dieser Urlaub bis zum Ende nicht mehr genommen werden, ist er auszuzahlen (§ 7 Abs. 4 BUrlG).

„Verlängerung" der Probezeit per Aufhebungsvertrag

Manche Arbeitgeber bieten kurz vor Ablauf der sechs Monate an, die Probezeit zu „verlängern". Rechtlich lässt sich die Wartezeit des Kündigungsschutzgesetzes nicht verlängern. In der Praxis wird deshalb häufig ein Aufhebungsvertrag geschlossen: Das Arbeitsverhältnis endet zu einem späteren Datum, etwa nach weiteren drei oder vier Monaten, und der Arbeitgeber sagt zu, es bei Bewährung fortzusetzen. Das Bundesarbeitsgericht hält eine solche Gestaltung unter Umständen für zulässig. Achten Sie dabei auf Folgendes:

  • Die Zusage zur Fortsetzung sollte schriftlich und möglichst konkret formuliert sein
  • Das Beendigungsdatum sollte nicht unverhältnismäßig weit über der Kündigungsfrist liegen
  • Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld auslösen — das Risiko vorab prüfen lassen
  • Keine Verzichtserklärungen auf Lohn, Urlaub oder Zeugnis mitunterschreiben
  • Nicht unter Zeitdruck unterschreiben, sondern den Vertrag vorher prüfen lassen

Was Sie jetzt tun sollten

  • Zugangsdatum der Kündigung notieren und Umschlag aufbewahren
  • Prüfen, ob die Kündigung schriftlich und im Original unterschrieben ist
  • Innerhalb von drei Tagen bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend melden
  • Eine Schwangerschaft oder Schwerbehinderung dem Arbeitgeber gegebenenfalls umgehend mitteilen
  • Keinen Aufhebungsvertrag und keine Ausgleichsquittung ungeprüft unterschreiben
  • Arbeitszeugnis anfordern und Resturlaub klären
  • Die 3-Wochen-Frist im Blick behalten und sich frühzeitig beraten lassen — am einfachsten über unser Kontaktformular

War Ihr Arbeitsverhältnis zusätzlich befristet, sollten Sie auch die besonderen Regeln zur Befristung und Entfristungsklage prüfen lassen — hier gelten teils andere Fristen und Voraussetzungen.

Häufige Fragen

Kündigung in der Probezeit — FAQ

Wie lang ist die Kündigungsfrist in der Probezeit?

Während einer vereinbarten Probezeit von höchstens sechs Monaten beträgt die gesetzliche Kündigungsfrist zwei Wochen (§ 622 Abs. 3 BGB), und zwar für beide Seiten und zu jedem beliebigen Tag. Arbeits- oder Tarifvertrag können abweichende Fristen vorsehen.

Kann ich in der Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt werden?

In der Regel ja, weil das Kündigungsschutzgesetz in den ersten sechs Monaten noch nicht gilt. Unwirksam ist die Kündigung aber zum Beispiel, wenn sie nicht schriftlich erfolgt, der Betriebsrat nicht angehört wurde, Mutterschutz oder Elternzeit besteht oder sie diskriminierend ist.

Gilt die 3-Wochen-Klagefrist auch in der Probezeit?

Ja. Wenn Sie sich gegen die Kündigung wehren wollen, müssen Sie innerhalb von drei Wochen nach Zugang Klage beim Arbeitsgericht erheben (§ 4 KSchG). Sonst gilt die Kündigung als wirksam. Nur bei fehlender Schriftform beginnt die Frist nicht zu laufen.

Darf mir in der Probezeit gekündigt werden, wenn ich schwanger bin?

Grundsätzlich nein. Das Kündigungsverbot nach § 17 MuSchG gilt ab dem ersten Arbeitstag. Wusste der Arbeitgeber nichts von der Schwangerschaft, müssen Sie sie ihm innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung mitteilen.

Brauche ich bei Schwerbehinderung in der Probezeit die Zustimmung des Integrationsamts?

Nein. In den ersten sechs Monaten ist keine Zustimmung des Integrationsamts erforderlich (§ 173 Abs. 1 Nr. 1 SGB IX). Gibt es eine Schwerbehindertenvertretung, muss der Arbeitgeber sie vor der Kündigung aber beteiligen; andernfalls ist die Kündigung unwirksam.

Kann der Arbeitgeber die Probezeit verlängern?

Die Wartezeit des Kündigungsschutzgesetzes von sechs Monaten lässt sich nicht verlängern. Häufig wird stattdessen ein Aufhebungsvertrag mit späterem Beendigungsdatum und Fortsetzungszusage angeboten. Das kann zulässig sein, birgt aber Risiken, etwa beim Arbeitslosengeld, und sollte vor der Unterschrift geprüft werden.

Habe ich in der Probezeit Anspruch auf Resturlaub?

Ja. Endet das Arbeitsverhältnis vor Ablauf von sechs Monaten, steht Ihnen für jeden vollen Beschäftigungsmonat ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu. Kann der Urlaub nicht mehr genommen werden, ist er auszuzahlen.

Bekomme ich nach einer Kündigung in der Probezeit Arbeitslosengeld?

Wenn Sie in den letzten 30 Monaten mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt waren, in der Regel ja. Wegen der Arbeitgeberkündigung droht meist keine Sperrzeit. Melden Sie sich aber innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis der Kündigung arbeitssuchend, sonst droht eine Sperrzeit von einer Woche.

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